Das Geheimnis der Elementmethode

Die Elementmethode ist eine beliebte und ebenso verbreitete Vorgehensweise bei der Kostenplanung. Eine Befragung unter mehr als 2.000 Architektur- und Ingenieurbüros in Österreich hat 2008 ergeben, dass mehr als 30% der Befragten die Elementmethode zur Kostenplanung insbesondere während der Entwurfsplanung verwenden.

In der vergangenen Woche hatte ich mehrere Gelegenheiten zu teilweise sehr kontroversiellen Diskussionen rund um die Elementmethode. Dabei ist mir wieder einmal aufgefallen, dass ein Knackpunkt bei der Anwendung der Elementmethode das sich nicht auf den ersten Blick erschließende Umschalten zwischen den beiden Gliederungssystemen der Ö-Norm B 1801-1 ist – also von der Baugliederung (planungsorientiert) in die Leistungsgliederung (ausführungsorientiert).

Mein Ansatz zur Lösung dieses Problems ist der „leistungsgruppenreine“ Elementtyp. Dabei handelt es sich um einen Elementtyp, der über seine Elementpositionen immer klar einer Leistungsgruppe aus der Leistungsgliederung bzw. dem Standardleistungsbuch für Hochbau (LB-H) zugeordnet werden kann. In der nachstehenden Abbildung ist dies anhand einer Geschoßdecke bestehend aus einer Stahlbetonplatte, einem schwimmenden Estrich, einem Parkettboden und einer verputzten und gemalenen Untersicht visualisiert (kann durch Klick auf die Abbildung vergrößert werden):

"leistungsgruppenreine" Elementtypen am Beispiel einer Geschoßdecke

"leistungsgruppenreine" Elementtypen am Beispiel einer Geschoßdecke

Durch die Anwendung dieser Elementtypen bei der Kostenplanung kann auf Knopfdruck zwischen den beiden Gliederungsystemen hin und her geschaltet werden. Somit ist es im Zuge der Kostenverfolgung möglich, auch die Kostenberechnung aus der Entwurfsplanung in einer vergabepaketorientierten Gliederung zu einem späteren Zeitpunkt z.B. auf Leistungsgruppenebene mit einem Kostenanschlag zu vergleichen. Entsprechende Werkzeuge können auch sehr einfach in einer Tabellenkalkulationssoftware selber erstellt werden.

Der Ansatz in einer der Diskussionen, die Elementmethode auch Top-Down anzuwenden (also quasi vom Groben ins Feine) war für mich neu, aber durchaus interessant. Dabei können – so die Meinung eines Kollegen – die Budgets auf Kostenbereichsebene über die Baugliederung via den Grobelementen auf die Elemente verteilt werden. Von dort werden dann durch das Anlegen/Ermitteln von Elementtypen in der vierten Ebene die Budgets der Elemente entsprechend zugeordnet/gebucht. Ob diese Vorgehensweise sinnvoll ist, hat sich mir noch nicht ganz erschlossen, ich bin aber für entsprechende Hinweise und Beispiele dankbar (am Besten via Kommentarfunktion). Bis dahin bleibt für mich die Elementmethode ein klassischer Bottom-Up-Ansatz, bei dem man vom Feinen (Elementtypen) ins Grobe (Grobelemente, Leistungsgruppen, Kostenbereiche) rechnet.

4 Gedanken zu „Das Geheimnis der Elementmethode

  1. Auch wir arbeiten derzeit daran, gewerke-reine Elemente aufzustellen. Bei uns ist das Problem unscharfer Elementinhalte zutage getreten, als wir die Kostenberechnung auf eine gewerkeorientierte Ermittlung umgestellt haben. Diese Orientierung hat sich als vorteilhafter heraus gestellt, weil 1. die Logik für den Architekten einfacher ist und sich damit Abstimmungen (die vor der KE immer umfangreich notwendig sind) besser steuern lassen, 2. die Mengen ohnehin nach Gewerken ermittelt werden (Rohbau, Fassade, Dach, Ausbau etc.), sodass jedes Teammitglied einen abgeschlossenen Bereich mit sauberer Schnittstelle bearbeiten kann (den es ggf. in der Ausführung auch wieder bearbeite und dann weiß,was es in der Planungsphase schon produziert hat), 3. die Übergabe von Inhalten und Budgets an die LV-Abteilung (für den Abgleich mit bepreisten LV’s einfacher ist), 4. in der Ausführungsphase ja auch nach Gewerken gearbeitet wird. 5. sollte man dann nach Projektabschluss in der Analysephase die Gesamtkosten auch nach Gewerken aufschlüsseln, um sie in der Planungsphase wieder als entsprechende Grundlage zu haben.
    Gegen eine parallel Führung in der DIN-276-Struktur spricht natürlich nichts, mit den entsprechenden Computerprogrammen lässt sich diese Systematik den Elementen ja eigentlich ganz einfach zuweisen und diese dann danach auswerten.

    Leider hat sich ja die DIN 276 so als KE-Struktur durchgesetzt, dass z. B. auch sämtliche Förderbehörden (wir bauen Krankenhäuser) eine Aufstellung nach DIN für die Antragsprüfung fordern. Vor welchem Hintergrund ist eigentlich diese Struktur entstanden?!?!?

    Kennwerte zur Plausibilitätsprüfung gibt es in Europa ja leider auch in erster Linie für DIN 276, nicht für Gewerke.

    Zum Thema Top-down-Kostenermittlung: wir arbeiten hier auch an einem System, um bereits die Kostenschätzung zu zerlegen in die zentralen u. v. a. risikoreichen Bestandteile. Denn in vielen Fällen bekommen wir ein ausgewrungenes Budget bereits vorgeschrieben, das von der Projektsteuerung! ermittelt wurde. Und die erste Frage ist ja immer: was für eine Fassade können wir uns leisten (also das interessiert natürlich den Architekten, weniger den Bauherrn)? Deswegen versuchen wir, das Gesamtbudget auf Basis von Kennwerten zu portionieren (z. B. prozentuale Verteilung).

  2. @Christian Hoff: Danke für den umfassenden Kommentar! Ich sehe die Vorteile der leistungsgruppenreinen Elemente genau so. Insbesondere die gut abgrenzbaren Teilbereiche und eine klare Zuordnung von geplanten Bauteilen zu Elementen und dann über die leistungsgruppenreine Zuordnung weiter zu Leistungsgruppen und Gewerken ist m.E. der ganz große Vorteil dieser Methode.
    Sicherlich haben Sie in Deutschland mit der DIN276 etwas mehr Mühe mit der die Zuordnung in die genormte Elementstruktur (ist nicht immer ganz so eindeutig), als wir hier in Österreich mit der Ö-Norm B 1801-1.
    Wir bilden bei uns im Büro mit den leistungsgruppenreinen Elementen beide Strukturen ab und können auf Knopfdruck zwischen der Elementstruktur der Ö-Norm und der ausführungsorientierten Gliederung in Leistungsgruppen hin und her schalten. Ich habe auch im obigen Beispiel versucht, die DIN276 mit einzubauen und habe bereits bei einem Projekt für einen Kunden einmal eine Zuordnung nach DIN gemacht – es klappt auch, aber man muss die Interpretationsspielregeln in der Zuordnung vorher genau festlegen.
    Wie genau diese DIN276-Elementstruktur entstanden ist, entzieht sich leider meiner Kenntnis. Aber Kennwerte für die DIN276-Struktur und auf Gewerke-/Leistungsgruppenebene gibt es gerade in Deutschland sehr viele (BKI, DBD, sirAdos), mit denen man Plausibilisierungen durchführen kann. Das BKI hat sogar eine eigene Elementesammlung (aber eben nicht leistungsgruppenrein)!

    Noch etwas zu den unscharfen Elementinhalten: die bilde ich in einem sog. „Blindpositionsanteil“ ab. Das kann z.B. bei Trockenbau- oder Schlosserarbeiten immer wieder auftauchen und darin sind dann z.B. Regieleistungen, Kleinmaterialanteile (im LV manchmal in eigenen Positionen erfasst) udgl. enthalten. Der Blindpositionsanteil sollte aber in einem Element nicht mehr als max. 5% des Elementpreises ausmachen. Ansonsten würde sich aus Gründen der Genauigkeit bereits ein eigenes Element für die betroffenen Blindpositionsanteile anbieten.

    Ad Top-Down: Genau das ist der Top-Down-Ansatz … ein Budget Top-Down (z.B. über m2 BGF) ermitteln und dann zum genaueren Budgetieren des Bauvorhabens in einzelne Leistungsanteile (z.B. Fassade, Technik, Ausbau, etc.) herunterschlüsseln.

  3. Welchen Lösungsansatz verfolgen Sie bei den in den Elementen üblicherweise nicht erfassten C-Positionen?

    In einer planungsorientierten Kostenschätzung, -berechnung weisen wir diese meist als prozentuellen Zuschlag in eigenen „Sonstiges“ Elementen zu, die dann nicht mehr leistungsgruppenrein sind und somit bei der Überführung in ein ausführungsorientiertes System nicht eindeutig einer LG zuzuordnen sind.

  4. @Christoph Zechner: Wenn Sie mit „C-Positionen“ z.B. jene Positionen, in denen kleiner Leistungen beschrieben sind (z.B. Einlegeteile im Betonbau versetzten, Fugenausbildungen bei Bodenbelägen udgl.) meinen, dann erfasse ich diese im sog. „Blindpositionsanteil“ innerhalb des jeweiligen Elementes. Für das genannt Beispiel mit den Einlegeteilen im Betonbau betrifft das z.B. eine Stahlbetondecke und diese ist als leistungsgruppenreines Element der LG 07 (Beton- und Stahlbetonarbeiten) zugeordnet, somit auch die Arbeiten für die Einlegeteile, die u.U. sogar bauseits beigestellt werden. Damit ist m.E. bei der Umschlüsselung eine Unschärfe, wie man sie evtl. bei Ihren „Sonstiges“-Elementen in Kauf nehmen muss, weitgehend ausgeschlossen.

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