Weniger ist mehr …

WinterwanderungWas haben persönliche Produktivität, Zeit, Prioritäten, Ziele, die Zahl Drei und der Architekt Ludwig Mies van der Rohe gemeinsam? Und wie werde ich 2014 agil(er), wenn’s um meine Ziele geht? Ein paar Gedanken zum persönlichen Produktivitäts- und Zeitmanagement rund um den Jahreswechsel …

Der Jahreswechsel ist traditionell ein Zeitpunkt, um sich selbst Gedanken über das abgelaufene Jahr und das bevorstehende, neue Jahr zu machen. Dabei wird auch Bilanz gezogen. Über die Vorsätze und deren Umsetzung bzw. einst gesteckte Ziele und deren Erreichung. Und es werden neue Pläne geschmiedet, Ziele gesteckt und neue Vorsätze für das kommende Jahr ausgearbeitet. Die Ruhe an den wenigen Tagen zwischen den Jahren nutze ich auch heuer wieder genau dazu – und für ein paar Gedanken darüber. Wenn ich an meine Ziele für das abgelaufene Jahr zurückdenke, dann stelle ich recht zufrieden fest, dass einige davon erreicht werden konnten, manche habe ich im Laufe der Zeit wieder verworfen, mit einem bin ich auf halbem Wege stecken geblieben und weitere sind im Laufe des Jahres neu entstanden und hinzugekommen.
Vielleicht habe ich mir auch ein wenig zu viel vorgenommen? Reduktion auf das Wesentliche wird somit ein Ziel für das neue Jahr – wenn nicht sogar das zentrale Vorhaben. Das hilft mir dann auch bei der Steigerung meiner eigenen Produktivität, bilde ich mir ein. Denn wenn ich weniger Ablenkungsmöglichkeiten habe, fällt mir das Fokussieren auf ein Vorhaben, eine Aufgabe oder einfach auch nur auf meine Familie oder mich selbst viel leichter. Also gehe ich es frei nach Ludwig Mies van der Rohe’s legendärer These „weniger ist mehr“ an. Dass das die Zauberformel für mehr Produktivität ist, ist für mich völlig frei von jeglichem Zweifel. Aber was ist eigentlich Produktivität?

Produktivität

Produktivität ist eine Kennzahl für Leistung in der Volkswirtschaftslehre. Sie stellt das Verhältnis von produzierten Gütern und den dafür benötigten Produktionsfaktoren dar. Es geht also um eine Beziehung zwischen Input und Output zur Erreichung eines (Produktions)Ziels, ein direkt proportionales Verhältnis zwischen dem Ergebnis (= Ausbringungsmenge im Sinne der Volkswirtschaftslehre) und den dafür aufgewendeten Mitteln (z.B. Zeit).
Und unter Berücksichtigung des ökonomischen Prinzips bedeutet das, dass die Produktivität maximiert werden kann, wenn entweder bei einem oder mehreren vorgegebenen zu erarbeitenden Ergebnissen die dafür aufzuwendende Zeit so gering wie möglich gehalten wird, oder bei einem vorgegebenen Zeitbudget die zu erarbeitenden Ergebnisse maximiert werden.
Ergo: weniger ist mehr, wie Mies van der Rohe schon sagte – wenn auch in einem ganz anderen Zusammenhang.
Aber wie passt das nun mit dem Faktor Zeit zusammen? Da will ich nämlich mehr davon. Damit ich im neuen Jahr auch wirklich alle gesteckten Ziele erreichen kann. Und genau das ist der Denkfehler! Denn die Frage muss lauten: wie kann ich die zur Verfügung stehende Zeit bestmöglich nutzen?

Zeit

Zeit kann nämlich nicht mehr werden. Aber man kann sich die Zeit selbst und (meist) frei einteilen. Wie viel Zeit für die Erreichung eines Ziels zur Verfügung steht, entscheiden wir also selbst. Carpe diem, das wussten schon die alten Römer. Was wir mit der zur Verfügung stehenden Zeit produzieren, auch das können wir autonom entscheiden. Ich selbst trenne hier wenig zwischen beruflichem und privatem, weil das bei mir stark ineinander übergeht und es eigentlich keine klare Trennung gibt. Ach ja übrigens: auch Erholung ist ein Produktionsergebnis! Und erholt bin ich dann optimal, wenn ich die dafür zur Verfügung stehende (Frei)Zeit bestmöglich mit entsprechenden Aktivitäten ausgefüllt habe. Wenn ich zum Beispiel in einer einstündigen Pause einen ausgedehnten Spaziergang mit meinem Hund durch den Wald mache, bringt mir das mehr Erholungswert, als im Internet zu surfen oder fernzusehen. Aber eben auch die Werkzeuge für die Produktion sind individuell gestaltbar. Faktum ist, dass es dafür kein Kochrezept gibt und die richtigen Methoden und Werkzeuge jeder für sich selbst herausfinden muss, damit die Zeit nach persönlichem Ermessen gut genutzt werden kann – sei es nun im Beruf oder im Privaten.

Prioritäten

Eine Erscheinung unserer Dekade(n) ist ein chronischer Zeitmangel. Wir hören das ja an allen Ecken, dass eigentlich niemand mehr Zeit für irgendwas hat und dennoch machen wir alle etwas, arbeiten an Projekten und Produkten, gehen Skifahren oder lesen. Und wenn wir dann vor lauter Betätigungsvielfalt keine Zeit mehr haben, um uns um andere Dinge kümmern zu können, dann empfinden wir das als Zeitdefizit. Manch einen versetzt das in Panik und andere resignieren. Nun aber Hand auf’s Herz! Wer arbeitet wirklich 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr und hat vor lauter beruflicher Produktivität keine Zeit mehr für sich selbst, Familie, Freunde und Hobbys? Ah, dachte ich’s mir doch. Logisch deduktiv daraus abgeleitet, ist die Antwort bzw. Ausrede „keine Zeit“ auf die Frage nach der Zielerreichung (= Produktivität) also unzulässig. Es wurde vielmehr die zur Verfügung stehende Zeit nicht (optimal) genutzt. Und wie so oft im Leben ist das eine Frage der Prioritäten. Erschwerend kommt dabei hinzu, dass Ziele ihre Prioritäten im Laufe der Zeit verändern. Was vor einem Jahr noch ein immens wichtiges Ziel war, das es unbedingt zu erreichen galt, kann heute aufgrund der Entwicklungen im abgelaufenen Jahr nahezu in der Bedeutungslosigkeit verschwunden sein. Die Fähigkeit zur Neuordnung der Prioritäten durch immer wiederkehrende Reflexion über die gesteckten Ziele nenne ich Agilität. Agile Menschen können in einem nahezu rituellen Prozess ihre Ziele in periodischen Abständen in puncto Prioritäten und aktueller Bedeutung überdenken, weiterentwickeln, ergänzen oder verwerfen. Der Amerikaner J.D. Meier hat dazu ein ganzes Buch geschrieben.
Und im agilen Manifest steht „Responding to change over following a plan“. Also warum an Zielen dogmatisch festhalten. Prioritäten und Ziele verändern sich eben und das sollte man akzeptieren oder besser noch: erkennen und als Chance nutzen.

Eigentlich war das jetzt schon ein ganz gutes Schlusswort. Aber einen habe ich noch: Mies van der Rohes These umgelegt auf die Produktivität stimmt natürlich auch – weniger (freie) Zeit, mehr (berufliche) Produktivität. Das ist aber nicht die Richtung, die ich im kommenden Jahr einschlagen möchte. Ich werde eher versuchen, weniger Ziele zu stecken (beruflich und privat) und dafür diese genauer zu formulieren und mehr Zeit eben dorthin zu investieren. The power of three schreibt J.D. Meier in seinem bereits erwähnten Buch und ich finde, das ist eine gute Grundlage zum Ziele stecken – schließlich sind aller guten Dinge eben drei.

Ein Gedanke zu „Weniger ist mehr …

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