Planung ist nicht gleich Planung

inpiecesGibt es einen Unterschied zwischen Planung und Planung? Ja, kaum zu glauben, den gibt es! Dafür ernte ich bei meinen Studierenden immer fragende bis skeptische Blicke. Allerdings ist dieser Unterschied auf eine umgangssprachliche Ungenauigkeit zurückzuführen, die es aufzuklären gilt. 

Planung beschreibt die menschliche Fähigkeit zur gedanklichen Vorwegnahme von Handlungsschritten, die zur Erreichung eines Zieles notwendig scheinen. (Quelle: Wikipedia)

Nun ist es so, dass diese allgemein gültige Definition übertragen auf das Projektmanagement eine andere Sichtweise eröffnet, als beispielsweise übertragen auf den architektonischen bzw. ingenieurtechnischen Planungsprozess eines Bauwerks.
Letzterer versteht sich als iterativer, interdisziplinärer Prozess. Das Ergebnis sind Pläne, Berechnungen und Texte, die das Bauwerk zum Inhalt haben, es maßstabsgetreu in seinen Abmessungen, Materialien und in seinem Aussehen darstellen. Wie allerdings das Projekt organisatorisch aufgesetzt ist, welche Projektziele (neben der Art der Herstellung bzw. Errichtung sowie der Qualität des Bauwerks) von Relevanz für den Projekterfolg sind, oder welche Budgets (Geld, Zeit und Ressourcen) zur Verfügung stehen, darüber sagt diese Art der Planung eigentlich nichts aus.

Im Prozessmodell der DIN 69901–2 ist die Planung nach der Initialisierung und der (Projekt)Definition die dritte Phase eines Projekts. Sie besteht aus insgesamt 16 Prozessen. Zu den wichtigsten Ergebnissen dieser Phase gehören die Projektpläne (Projektstrukturplan inkl. Arbeitspaketbeschreibungen, Terminplan und Kosten-/Budgetplan) sowie die Projektorganisation mit den Rollenbeschreibungen, eine Risikoliste samt Maßnahmen und die organisatorischen Vorgaben für das Änderungsmanagementverfahren.

Zwei Arten der Planung also, die der allgemein gültigen Definition von weiter oben (weitestgehend) entsprechen. Aber eben bei genauerer Betrachtung grundlegend verschieden sind.
Bei Bauprojekten hat sich ein etwas anderes Projektphasen- bzw. Projektstufenmodell etabliert, als jenes aus der DIN 69901–2 oder der allgemeinen PM-Literatur. Ein Bauprojekt wird in 5 aufeinanderfolgenden Projektphasen bzw. -stufen abgewickelt:

  • Projektstufe 1: Projektvorbereitung
  • Projektstufe 2: Planung
  • Projektstufe 3: Ausführungsvorbereitung
  • Projektstufe 4: Ausführung
  • Projektstufe 5: Projektabschluss

Das Ergebnis der Projektvorbereitung sind unter anderem jene Dokumente, Unterlagen und Pläne, die auch am Ende der beiden DIN-Projektphasen Definition und Planung vorliegen sollten. Erst danach folgt die Planungsphase, die eine architektonische und ingenieurtechnische Planng beinhaltet. Damit ist die Planungsphase bei einem Bauprojekt nach dem Sprachgebrauch der DIN und der allgemeinen PM-Literatur Bestandteil der Projektphase Steuerung.

In der nachstehenden Tabelle sind die Projektstufen bei einem Bauprojekt aus dem Projektstufenmodell der AHO den Projektphasen nach DIN 69901–2 gegenübergestellt:

Projektstufen bei einem Bauprojekt Projektphasen nach DIN 69901–2
Projektvorbereitung Initialisierung
Definition
Planung
Planung Steuerung
Ausführungsvorbereitung
Ausführung
Projektabschluss Abschluss

Die sprachliche Unterscheidung von Projektvorbereitung und Planung hilft, die organisatorische und strukturelle Projektplanung von der architektonischen und ingenieurtechnischen Planung zu unterscheiden. Denn die Projektvorbereitung ist die Planung des Projektmanagers, während die eigentliche technische Planung des Produkts erst in der gleichnamigen Planungsphase stattfindet.

Artikelbild: „I’m sitting here in pieces, and you’re having delusions of grandeur!“ von Camille Rose auf flickr.com

4 Gedanken zu „Planung ist nicht gleich Planung

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