(Agil) Planen ist (nicht) feig

agileplanungsbesprechungAgil bedeutet lt. Dudenvon großer Beweglichkeit zeugend; regsam und wendig“. Dieses Wort ist in den letzten Jahren ein Synonym für den Aufbruch zu einer neuen Arbeitsweise im Projektmanagement geworden. Die Werte im agilen Manifest lesen sich wie die vier Gebote zu diesesm Projektmanagement-Framework. Im Zusammenhang mit dem vierten Grundwert des agilen Projektmanagements „Reagieren auf Veränderung mehr als das Befolgen eines Plans“ stellt sich die Frage, ob die Begriffe Agil und Planen Gegensätze sind?

Agile Fundamentalisten behaupten, dass das Planen feig sei. Solche binären Ansätze sind selten hilfreich. Zunächst sollte man grundsätzlich zwischen dem (organisatorischen, terminlichen, etc.) Planen des Projekts und dem Planen des Bauwerks (also der eigentlichen Produktentwicklung), so wie es Architekten und Ingenieure verstehen, unterscheiden. Näheres dazu gibt’s hier im Blog im Artikel Planung ist nicht gleich Planung zu lesen. Bei (Bau)Projekten mit komplexen Anforderungen sind sowohl eine gründliche Projektvorbereitung, also die Planung im Sinne des Projektmanagements, als auch eine möglichst realitätsnahe Planung des Produkts, also des Bauwerks, zwingend erforderlich.
Ein bloßes Hineinstarten in das Projekt, ohne die notwendigen Grundlagen zu schaffen, wird zum Scheitern bzw. Misslingen des Vorhabens führen.
Aber natürlich können einzelne Prozessschritte in der Planung nach den agilen Prinzipien erfolgen. Welche Parallelen es beim agilen Projektmanagement und dem Bauprojektmanagement auf den ersten Blick schon gibt, habe ich hier im Blog im Artikel Agiles Bauprojektmanagement vor einiger Zeit zusammengefasst. Heute würde ich das noch granularer bezogen auf die einzelnen Planungsphasen sehen wollen. Denn das grundsätzlich iterative und interdisziplinäre Entwickeln von Lösungsansätzen für die Projektaufgabenstellung durch die Zergliederung der Planungsphase eines Bauprojektes in die einzelnen Leistungsphasen der Planung – von der Grundlagenermittlung über die Vorentwurfs- und dann Entwurfsplanung bis hin zur Genehmigungs-/Einreichplanung und dann zur Ausführungs-/Detailplanung – wäre ja schon an sich ein agiles Vorgehen. Aber auch innerhalb dieser Leistungsphasen könnte man in mehreren Sprints agieren und andere Elemente aus dem agilen Projektmanagement installieren, wie beispielsweise häufigere Stand-up-meetings (auch virtuell bei dezentralen Teams) oder das Einrichten und die transparente Pflegen eines Productbacklog. Dass man von den Grundwerten des agilen Manifests sehr viel lernen kann und damit durchaus auch Verbesserungen in der Projektkultur verbunden sind, habe ich vor wenigen Monaten im Artikel Zwei Verbesserungsvorschläge für’s (Bau)Projektmanagement skizziert.

Agile Methoden und eine Planung im klassischen Sinne können also keine Gegensätze sein. Vielmehr gibt es sogar eine befruchtende und sich auf die Projektabwicklung und -kultur positiv auswirkende Symbiose. Den Satz “Planung ersetzt Zufall durch Irrtum” hat vermutlich jeder Leser und jede Leserin dieses Blogs schon einmal gehört. Aus Fehlern infolge von Irrtum kann man sofort lernen, sofern die Bereitschaft dazu da ist. Aus zufälligen Begebenheiten lernt man erst, wenn man diese mehr als einmal durchlebt, erfasst und erkannt hat. In diesem Sinne kann Planen also auch niemals feig, sondern höchstens lehrreich sein. Denn der eingangs erwähnte vierte Grundwert des agilen Projektmanagements „Reagieren auf Veränderung mehr als das Befolgen eines Plans“ ist nicht dahingehend zu verstehen, dass Planung in einem Projekt unnotwendig ist. Vielmehr ist ein agiler Planungsprozess eine Symbiose aus klassischen Vorgehensmodellen und Methoden bzw. Ansätzen aus dem agilen Projektmanagement.
Das kann neben der bereits erwähnten Verbesserung in der Projektkultur nicht zuletzt auch in der Produktentwicklung – also der Planung im eigentlichen Sinn – ein höheres Maß an Flexibilität bringen.

Artikelbild: “Going it Alone is Better Than in Bad Company” von Camille Rose auf flickr.com

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