Drei Gedanken zur integralen Planung

train-teamDie baubegleitende Ausführungs- und Detailplanung ist bei Hochbauprojekten längst zur Regel geworden. Aber nicht, weil das die beste Methode ist, sondern weil die Planungsphase als Pufferzeit missbraucht wird. Dabei ist der traditionelle Planungsprozess gar nicht auf diese Vorgangsweise ausgelegt. Der Preis für diese scheinbare Effizienzsteigerung ist ein höheres Maß an Fehleranfälligkeit. Die Folge sind oftmals Qualitätsverlust oder Mehrkosten. Auf der Suche nach einem Ausweg aus diesem Dilemma stößt man bei einem Blick über den Tellerrand auf einen Lösungsansatz, der ursprünglich aus der Softwareentwicklung kommt.

Daraus lässt sich eine Vorgehensweise ableiten, die als Hybridlösung verschiedene Ansätze und auch das für Bauprojekt typische phasenorientierte Projektabwicklungsmodell zu einem sozusagen integralen Planungsprozess verbindet. Drei erste Gedanken bzw. Ideen dazu:

  • Effektiv: In Anlehnung an die Methoden der agilen Softwareentwicklung ist es auch beim Planen von Bauwerken möglich, je nach Komplexität der Anforderungen in einem kontinuierlichen Planungsprozess mit mehr oder weniger kurzen bzw. vielen so genannten Sprints themenorientiert und interdisziplinär vorzugehen. Die einzelnen Aufgabenpakete werden unter interdisziplinärer Beteiligung aller erforderlichen (Fach)Planer und Konsulenten abgearbeitet. Je nach Komplexität der jeweiligen Aufgabenpakete dauert ein Sprint zwischen einer und drei Wochen. Während einem Sprint arbeitet das Planungsteam intensiv zusammen. Ein hohes Maß an Kommunikation (bei dezentralen Teams auch über Videokonferenzen z.B. mittels Skype möglich) und das Auflösen hierarchischer Projektorganisationen insbesondere innerhalb des Planungsteams sind grundlegende Voraussetzungen (Stichwort servant leadership für Projektleitung und -steuerung). Nach jedem Sprint erfolgt im Zuge einer so genannten Retrospektive eine gemeinsame Zusammenfassung der Planungsergebnisse sowie deren Abstimmung mit dem Auftraggeber und den Nutzern.
  • Fokussiert: Durch das Auflösen der sequentiellen Vorgangsweise, bei der die einzelnen Planungsschritte vom Vorentwurf über den Entwurf und die Einreich-/Genehmigungsplanung bis hin zur Ausführungs- und Detailplanung kaskadenartig nacheinander und zugleich aufeinander aufbauend ablaufen, wird ein Wiederholen gewisser Themenstellungen im Planungsprozess reduziert (z.B. Planung der Fassade im Vorentwurf und später nochmals im Entwurf – wenn auch detaillierter). Stattdessen werden Themenschwerpunkte für jeden Iterationsschritt definiert und gemeinsam im Planungsteam bearbeitet. Ein Themenschwerpunkt könnte bei einem Hochbauprojekt die Fassadengestaltung im Konnex mit der gebäudetechnischen Ausstattung sein. In diesem Sprint werden dann alle Systeme für die Fassade und die gebäudetschnischen Anlagen baureif geplant, abgestimmt und einer Entscheidung zugeführt.
  • Partizipativ: Eine Konsequenz dieser fokussierten Vorgangsweise ist, dass zu jedem Sprint, je nach Themenstellung auch die entsprechenden (Fach)Planer und Konsulenten eingebunden werden. Ebenso gehört die rechtzeitige Integration und Partizipation der Nutzer dazu, mit einem klar definierten Redaktionsschluss für nutzerseitige Vorgaben, Funktionsanforderungen und Wünsche. Nutzer können auch bei den Reviews zu nutzungsrelevanten Themenschwerpunkten eingebunden werden (z.B.: Einrichtungs- und Möblierungsplanung).

SchemaIntegralePlanung

Wie aus der obigen Skizze der integralen Planung erkennbar ist, wird ein Bauprojekt immer einem phasenorientierten Ablauf folgen. In diesen phasenorientierten Ablauf können zur Verbesserung der Planungsergebnisse agile Vorgehenselemente, partizipative Ansätze und auch nachhaltige Kriterien in einem kontinuierlichen Prozess integriert werden. Wie und ob sich eine solch integrale Planung in der Praxis behaupten und durchsetzen kann, wird noch einiger Untersuchungen und Versuche bedürfen. Eines ist jedoch jetzt schon absehbar und nicht mehr wegzudiskutieren: Modernes Bauen macht auch moderne Rahmenbedingungen für den Planungsprozess im Sinne der Effektivität und nicht nur zur bloßen Effizienzsteigerung erforderlich. Schließlich ist es kontraproduktiv, den zunehmend komplexen Anforderungen an Bauwerke mit Zeiteinsparungen in der Planung zu begegnen. Die höhere Komplexität ist ein Resultat des rasanten technologischen Fortschritts und der macht es notwendig, Bauwerke so auszulegen und zu planen, dass sie auch längerfristig fit für die Zukunft bleiben. Selbst dann, wenn Gebäude in kurzen Zeiträumen geplant und gebaut werden.

Artikelbild: “GE 2015 Team” von swoofty auf flickr.com

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