Ist die Methode (wirklich) egal?

Was ist wichtiger: Die Projektmanagement-Methode oder die Persönlichkeit des Projektmanagers? Diese Frage stellt das ProjektMagazin.de aktuelle in einer Blogparade unter dem Titel „Klassisch, agil oder egal: Ist ein guter Projektleiter mit jeder Methode erfolgreich?“. Aber lässt sich erfolgreiches Projektmanagement tatsächlich auf die Methodenkompetenz reduzieren? 

Die Methodenkompetenz ist neben der Organisations-, der Fach- und der Sozialkompetenz eine der vier Kompetenzsäulen für einen Projektmanager. Die Darstellung der wesentlichen Kompetenzbereiche eines Projektmanagers mit einem Säulenmodell kann unter anderem in dem Buch „ProjektManager“ von Schelle, Ottmann und Pfeiffer nachgelesen werden. Allerdings ist diese Säulengrafik vielleicht nicht die idealste Form der Darstellung.

Skizziert man stattdessen die vier Kompetenzbereiche als sich gegenseitig überschneidende Ellipsen, ergibt dies eine blütenartige Darstellung, die den engen Zusammenhang der vier Kompetenzbereiche klarer verdeutlicht. Und dort, wo sich alle vier Kompetenz-Ellipsen überschneiden, dort ist Projektmanagement am erfolgreichsten. Das ist sozusagen das Zentrum der Kompetenzblüte des Projektmanagers. Wenn alle vier Kompetenzbereiche voll ausgeprägt sind, dann blüht der Projektmanager richtig auf.

Neben der Methoden-, Organisations-, Fach- und Sozialkompetenz spielt aber auch noch zumindest ein Faktor für erfolgreiches Projektmanagement eine zentrale Rolle. Wenn man die metaphorische Kompetenzblütenbetrachtung weiter spinnt, dann gesellt sich zu diesen vier Kompetenzblütenblättern quasi als Sonnenlicht die Erfahrung dazu. Denn ohne Licht keine prächtige Blüte. Und je größer der Erfahrungsschatz ist, umso größer wird die (mitunter intuitive) Fähigkeit, die einzelnen Kompetenzbereiche miteinander zu vernetzen. Auch situationsabhängig. Quasi situatives Projektmanagement, wie vor einiger Zeit hier schon beschrieben.

Aus dieser metaphorischen Betrachtung folgt, dass nicht einzelne Kompetenzbereiche alleine einen guten Projektmanager ausmachen. Es ist beispielsweise schlichtweg nicht möglich, ohne ausreichendes Fachwissen ein Bauprojekt erfolgreich abzuwickeln. Kenntnisse über die dafür erforderlichen Methoden und Organisationsmodelle sind ebenfalls unumgänglich. Und schließlich braucht es ausreichend soziale Kompetenz, um ein Team von Architekten und Ingenieuren anzuleiten – oftmals auch ohne Weisungsbefugnis.

Und um die eingangs gestellte Frage abschließend zu beantworten: die Methode ist nicht egal. Mit der Methodenkompetenz soll der Projektmanager in der Lage sein, in Abhängigkeit der Anforderungen aus dem Projekt bzw. der Projektsituation die dafür am besten geeignete Projektmanagement-Methode anzuwenden (siehe auch Artikel über situatives Projektmanagement vom 02. März 2014). Überzeugend kann er das gegenüber den Stakeholder nur, wenn er auch über eine soziale Kompetenz verfügt und demnach seine Persönlichkeit dafür entsprechend ausgeprägt ist. Und schließlich wird die eingesetzte Methode nur dann zum Erfolg führen, wenn sie organisatorisch und fachlich optimal in das Projekt und sein Team eingebettet wird.

Ergo macht es keinen Sinn, einen Kompetenzbereich für sich isoliert als Erfolgsfaktor zu betrachten. Vielmehr kommt es auf die bestmögliche Kombination aller Kompetenzbereiche an.

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