Bärenstark notieren mit Bear

Im norditalienischen Parma gibt’s nicht nur hervorragenden Schinken, sondern auch seit gut einem Jahr eine ausgezeichnete Notizen-App für macOS und iOS: Bear zeigt, dass ein schlankes User Interface und bärenstarke Funktionen kein Widerspruch sein müssen. Die App eignet sich hervorragend für das Erstellen von Notizen (auch handschriftlich), Skizzen und Sammlungen von Referenzmaterialien (z.B. zur Besprechungsvorbereitung, Lehrveranstaltungen, etc.). 

Der Platzhirsch – oder sollte ich besser Platzelefant schreiben – unter den Notizen-Apps ist eindeutig Evernote. Die App ist ein wahres Feature-Monster und mit ihrem immensen Funktionsumfang nahezu schon überfrachtet. Zudem lief Evernote in den letzten Monaten insbesondere auf dem iPad nicht sehr stabil. Deshalb habe ich mich auf die Suche nach einer Alternative begeben und bin dabei auf Bear gestossen. Seit nunmehr zwei Monaten ist Bear bei mir im Einsatz und schlägt sich dabei hervorragend. Mittlerweile hat Bear in meinem Setup Evernote nahezu vollständig verdrängt.

Bevor ich mich für Bear entschieden habe, waren bei der Auswahl einer neuen Notizen-App drei Kriterien entscheidend:

  • So wenig Funktionsumfang wie möglich, so viel, wie notwendig. Eine Notizen-App muss insbesondere eines gut können: Notizen erfassen. Das muss sowohl am Rechner als auch mobil am Smartphone rasch und einfach möglich sein. Notizen sollten sich auch untereinander verlinken lassen und mit Schlagworten kategorisiert werden können.
  • Markdown-Kompatibilität war für das Schreiben und Formatieren der Notizen ein zentrales Entscheidungsmerkmal. Allerdings sollte es kein reiner Text-Editor sein. Schließlich braucht eine Notizen-App Möglichkeiten zum einfachen Einbinden bzw. Anhängen von anderen Dateien (z.B. PDFs, Bilder, Office-Dokumente, etc.)
  • Synchronisation auf allen Geräten, auf denen die Notizen-App läuft, ist eigentlich keine allzu große Besonderheit mehr. Allerdings sollte es kein proprietärer Cloud-Dienst des Herstellers sein, sondern ein Dienst, der bereits in Verwendung ist. Das wäre dann z.B. über Dropbox, iCloud oder ähnliche Dienste möglich.

Nach einer Testphase mit mehreren Notizen-Apps ist Bear anhand dieser Kriterien als klarer Sieger hervorgegangen.

Die Oberfläche von Bear wirkt sehr aufgeräumt und übersichtlich. Das User Interface besticht durch ein modernes, plattformübergreifendes Design. Dadurch findet man sich sowohl unter macOS, als auch unter iOS sofort zurecht. Der Funktionsumfang kann durchaus als überschaubar bezeichnet werden. Allerdings ist er auf die wesentlichen Funktionen fokussiert. Notizen können einfach per Klick oder Tastenkombination angelegt werden. Eine Beschlagwortung mit so genannten Hashtags ist möglich. Diese Tags können auch verschachtelt angeordnet werden.

Notizen können untereinander verlinkt werden. Bear verwendet dafür das für macOS und iOS optimierte x-callback-url-Protokoll. Damit können Links zu Notizen auch an andere Apps übergeben werden (z.B. als Ergänzung zu einer Aufgabe in Things). Wichtige Notizen kann man in der Notizen-Liste ganz oben anpinnen und verliert sie so nicht aus den Augen.
Neben diesen gibt es noch ein paar weitere Funktionen, die das Arbeiten mit der App richtig angenehm machen:

  • einfache Eingabe von ToDos und Aufgabenlisten
  • in-line-Support für Bilder und Fotos
  • einfache Exportfunktionen unter anderem in die Formate HTML, PDF, DOCX, MD, JPG, etc. (für manche Exportformate benötigt man das kostenpflichtige Bear Pro)
  • smart data recognition für z.B. Links, eMail-Adressen, Farben, Code-Schnipsel, etc.
  • verschiedene Themen für das User Interface der App und das Text-Layout (für manche App-Themen benötigt man das kostenpflichtige Bear Pro)
  • Focus-Mode für konzentriertes Arbeiten

Zugegeben: die Markdown-Kompatibilität ist ein eher einschränkendes Kriterium. Das Teilnehmerfeld hat sich dadurch dann doch recht stark ausgedünnt, denn die Klassiker wie Microsoft’s OneNote oder auch Apple’s hauseigene Notizen-App scheiden damit aus. OneNote kann zwar mit einem PlugIn dazu gebracht werden, Markdown zu verstehen, aber das ist in einer nur sehr rudimentären Art und Weise möglich. Erstaunlicher Weise ist Bear die einzige App, die ich finden konnte, die diesen Spagat zwischen einer Notizen-App und einem Text-Editor schafft. Bear verwendet dafür die CommonMark Syntax. Es handelt sich dabei um eine standardisierte Markdown-Syntax, die den Focus auf maximaler Kompatibilität hat. Das kommt auch den vielfältigen Exportmöglichkeiten zugute, die Bear bietet. Zudem unterstützt der in der App integrierte Markup Editor über 20 Programmiersprachen, erkennt somit Code und Code-Schnipsel automatisch und stellt diese entsprechend grafisch dar.

Für die Synchronisation der Notizen verwendet Bear iCloud, oder besser gesagt das quasi dahinter liegende CloudKit von Apple. Das ermöglicht eine reibungslose, rasche und vor allem sicher verschlüsselte Synchronisation. Allerdings steht die Sync-Funktion nur in der bezahlten Version, dem so genannten Bear Pro zur Verfügung.
Das Preismodell (ein Abo-Modell) ist sehr moderat. Die App kostet pro Monat 1,59 EUR oder 15,99 EUR für ein ganzes Jahr. Mit dem Erwerb von Bear Pro (in-App-Kauf) schaltet man nicht nur die Sync-Funktion frei, sondern auch zusätzliche Exportfunktionen und ein paar weitere App-Themen für die individuelle Gestaltung des User Interface. Bear Pro kann einen Monat kostenlos getestet werden, bevor man dann automatisch in das Abo wechselt, sofern man vorher nicht rechtzeitig wieder kündigt.

Wer darüber nachdenkt, Bear im Team einzusetzen, der muss sich (noch) mit AirDrop als einziger direkter Austauschmöglichkeit für Notizen begnügen. Aber natürlich können Notizen in eines der vielen Export-Formate gespeichert und dann per eMail oder online (z.B. in der ProjektDropbox) mit anderen Teammitgliedern ausgetauscht werden.

Viele Wünsche lässt Bear nicht offen. Einzig eine in-line Funktion für PDF-Dateien wäre ein tolles Feature, um damit direkt in PDFs z.B. handschriftliche Eintragungen machen und gleich in Bear abspeichern zu können. Eine OCR-Funktion für PDF-Dateien würde eine deutliche Verbesserung der Suchergebnisse bringen. Und schließlich rangieren eine Schnittstelle zu WordPress und ähnlichen CMS-Systemen und der Export von ToDo’s und Aufgabenlisten direkt nach Things und ähnliche Taskmanagement-Apps ebenfalls ganz oben auf der Wunschliste.

Alles in allem ist Bear eine nicht nur optisch und bedienungstechnisch rundum gelungene App. Sie bietet alles, was man zum Erstellen und Verwalten von Notizen benötigt, lässt dabei kaum Wünsche offen, besticht zudem durch eine solide Synchronisation und einen tollen Markup-Editor.

Für alle, die mehr über Bear erfahren wollen, kann ich neben den FAQs auf der Website der App den Artikel „The Best Notes App for iPhone and iPad: Bear“ von den Kollegen bei The Sweet Setup empfehlen. Etwas älter aber immer noch informativ ist auch der Artikel von Federico Viticci „Why I’m Considering Bear as a Notes App Replacement“ auf MacStories.

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